Kein Mensch auf der ganzen Welt
kann die Wahrheit verändern.
Man kann sie nur suchen
sie finden und ihr dienen.
Die Wahrheit ist an jedem Ort.

Dietrich Bonhoeffer

Persönliches

Als Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres wurde ich 2006 auf Betreiben des damaligen Bundesministers der Verteidigung Dr. Jung vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Aufgrund der damals geltenden besonderen Altersgrenzen für Berufssoldaten hätte ich normalerweise bis 2008 gedient.

Von dem unwürdigen Ende abgesehen blicke ich auf eine sehr befriedigende Zeit in der Bundeswehr zurück. Zwölf Jahre lang durfte ich Truppe auf allen Führungsebenen bis hin zur Divisionsebene führen. Hochinteressant waren natürlich auch die Verwendungen im Bundesministerium der Verteidigung und im Bundeskanzleramt. So habe ich z.B. die deutsche Vereinigung als Adjutant des Generalinspekteurs erlebt. Auf dem Royal College of Defence Studies in London konnte ich 1998 viele internationale Kontakte knüpfen, von denen die meisten auch heute noch bestehen. Auch wenn ich – wie nahezu jeder Offizier - besonders gern auf meine Zeit in der Truppe zurückblicke, haben mir auch meine beiden Verwendungen im Heeresamt – zunächst als Chef des Stabes und einige Jahre später als Amtschef – sehr viel Freude bereitet.

Soldatenwallfahrt Tschenstochau
Als Kommandeur 7.Panzerdivision mit den Kameraden
der unterstellten 10. polnischen Panzerkavalleriebrigade
bei der Soldatenwallfahrt in Tschenstochau

Natürlich war nicht alles, was ich in vier Jahrzehnten erlebt habe, eitel Freude Sonnenschein. Besonders ärgerlich habe ich es stets empfunden, wenn wichtige Entscheidungen nicht so getroffen wurden, wie ich selbst das – vor allem mit Blick auf die Truppe - für richtig gehalten hätte. Meistens waren solche Entscheidungen politisch beeinflusst. Aber die Freude über die Zusammenarbeit mit den Menschen in der Bundeswehr und der Stolz auf die Leistungen der Truppe überwogen doch bei weitem.

Meine aktive Dienstzeit endete überraschend 2006 kurz vor meinem 40-jährigen Dienstjubiläum. Gemäß § 50 Soldatengesetz können Generale – ebenso wie hohe Ministerialbeamte - jederzeit ohne Angabe von Gründen in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden. In meinem Fall wurden allerdings Gründe genannt - Gründe, die nicht zutreffen und die meinen Ruf beschädigen sollten. Dem Parlament gegenüber wurde behauptet, Generalleutnant a.D. Dieter und ich hätten uns der Kungelei zugunsten meines angeblich rechtsradikalen Sohnes schuldig gemacht. Dies wurde später auch an das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ durchgestochen. Möglicherweise nicht dem Minister, aber zumindest den für diese Maßnahme Zuständigen im BMVg war bereits damals klar, dass die Vorwürfe gegen General Dieter und mich nicht zutrafen und mein Sohn nicht rechtsradikal ist.

Meine feste Überzeugung, dass sich dies binnen kürzester Frist erweisen würde, hat sich jedoch als ein grundlegender Irrtum entpuppt. Weder das Parlament noch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages nahmen sich der Sache an. Die angestrengten Verfahren wurden uns verweigert oder schleppten sich hin. Auch die Medien verloren nach einem kurzen Aufflackern das Interesse an der Angelegenheit, obwohl jeder unbefangene Betrachter unschwer erkennen konnte, dass von hohen Verantwortungsträgern im BMVg vorsätzlich Unrecht begangen wurde.

Der Soldat schwört in seinem Eid, das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Die Bundeswehr als eine Armee im Einsatz darf nicht von Leuten geführt werden, die nicht dem Recht verpflichtet sind. Deshalb darf dieses Geschehen nicht in Vergessenheit geraten.

Die Abläufe, die zu meiner und General Dieters Entlassung führten, und die vielfältigen Bemühungen gegen diese Maßnahme juristisch anzugehen, sind detailliert unter Hintergrund im Beitrag „Chronologie der Ereignisse“ dargestellt. Besonders verwerflich finde ich, wie mein Sohn, der nicht einen Hauch an Sympathie für rechtsextremistisches Gedankengut hegt, quasi zur Geisel der Fälle Dieter/Ruwe genommen und verfolgt wurde. Seinen Fall schildere ich unter Kommentare unter dem Titel „Die denkwürdigen Erlebnisse eines jungen Offiziers“ und „Das Urteil“ .

All diese Vorgänge sind – Gott sei Dank – nicht symptomatisch für die Bundeswehr. Dass sie aber überhaupt möglich waren und niemand – außer uns selbst – dagegen vorgegangen ist, hätte ich vorher für undenkbar gehalten.